Kettelerufer

Für die Stadt Rheine insgesamt und für ihre Innenstadt im Besonderen stellt die mitten durch die Stadt verlaufende Ems ein Alleinstellungsmerkmal dar.

Ausgangslage und Aufgabenstellung

Sie hat ein großes Potential für gestalterische Chancen und aufenthalts- und freizeitzeitorientierte Nutzbarkeiten, aber auch eine Herausforderung im Hinblick auf den Hochwasserschutz und die Einbindung in das Innenstadtgefüge. Eher funktional orientierte Erfordernisse und Schwerpunktsetzungen der Vergangenheit haben dazu geführt, dass die Ems selbst und auch ihre Ufer in der Innenstadt im Hinblick auf die genannten Qualitäten kaum erkennbar sind. 

Insbesondere das Kettelerufer links der Ems konnte aufgrund der besonderen Hochwasserschutzanforderungen (HQ 250 = 250-jähriges Hochwasser), der beengten Wegeführung und der in die Jahre gekommenen Gestaltung des Uferbereiches seine Potentiale bisher gut verbergen. Durch den Bau der Emsgalerie als neuem zentralen Anker des Einzelhandels in der Innenstadt wurde dies vor allem im dort angrenzenden Uferbereich zwischen der Ludgeri- und Nepomukbrücke augenfällig.

Rahmenplan Innenstadt

Um hier gegenzusteuern beschloss der Rat der Stadt Rheine im Februar 2014 den „Rahmenplan Innenstadt“. Sein Ziel ist es, die Innenstadt modern und zukunftsfähig zu gestalten und für Bürger, Anwohner, Handel und Tourismus zu attraktivieren.

Als eine wichtige Maßnahme dieses mit Mitteln der Städtebauförderung unterstützten Entwicklungsinstruments war folgerichtig das Projekt zur „Neugestaltung des Kettelerufers“ links der Ems vorgesehen. Mit der gestalterischen Aufwertung des Bereiches sollten unter Beachtung der funktionalen Belange (insbesondere des Fuß- und Radverkehrs, Stichwort „Emsradweg“) attraktive öffentliche Räume geschaffen werden, die zu einer Belebung des Emsbereiches als Bestandteil der Innenstadt beitragen.

Bereits vorliegende Erkenntnisse aus dem Masterplan „Rheine und die Ems“ von 2003, den im Bereich der Ems-Galerie skizzierten Überlegungen aus den Jahren 2012 bis 2014 und den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung zum Teilprojekt C 1 „Gestaltungszielset­zungen des Rahmenplanes für die Fußgängerzone“, bei der viele Anregungen insbesondere zum Übergang in die Innenstadt gemacht wurden, waren in die Überlegungen einzubeziehen.

Aufgrund seiner besonderen Bedeutung für die Stadt und ihrer Bewohner war beim Planungs­prozess zur Neugestaltung des Ufers die enge Einbindung der Rheiner Bevölkerung besonders wichtig.

Vorentwurfsplanung und Planungswerkstatt mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt

Zur Schaffung von erörterungsfähigen Grundlagen wurde das Büro FSWLA Landschaftsarchitektur aus Düsseldorf beauftragt, aus den vorhandenen Ansätzen und Informationen erste Ideen für den gesamten Uferbereich in der Innenstadt zwischen Ludgeribrücke und Mühlentörchen zu entwickeln. Neben vielen positiven Ansätzen und Chancen stellte das Büro fest, dass eine Reihe klarer Defizite insbesondere im Hinblick auf die Wahrnehmbarkeit, den Zustand, die Gestaltung, die Nutzbarkeit und die Zugänglichkeit des Ufers bestehen.

Es wurden „Interventionen“ im Sinne von Handlungsempfehlungen formuliert:

  • Saubermachen
  • Aufräumen – Weniger ist mehr!
  • Bastion im Bereich Ludgeribrücke entfernen
  • Uferpromenade erweitern und Sichtbarkeit / Zugänglichkeit verbessern

Auf dieser Grundlage wurden die Bürgerinnen und Bürger gebeten, in Arbeitsgruppen über die Vorentwürfe zu diskutieren und eigene Anregungen und Ideen zur Ufergestaltung einzubrin­gen. Am 14.09.2016 fand daher in die Stadthalle Rheine eine Planungswerkstatt mit rund 70 Teilneh­merinnen und Teilnehmern statt.

Aufgrund der offenen Gestaltung der Werkstatt konnten begleitend viele Gespräche unter­einander und mit Fachleuten aus Politik und Verwaltung geführt werden, so dass sich ein vielfältiges Bild der Wünsche, Ideen und Anregungen aus der Bürgerschaft ergab. Dieses wurde als Input zur Berücksichtigung bei der weiteren Planung festgehalten und dokumen­tiert. 

Im Ergebnis wurden die Anregungen des Büros bestätigt. Es stellte sich heraus, dass insbesondere der Uferabschnitt an der Emsgalerie zwischen Ludgeri- und Nepomukbrücke einer grundlegenden Neugestaltung und Aufwertung bedarf.

Entwurfsplanung für den Bereich Ludgeri- /Nepomukbrücke und Förderantrag

Daher wurde dieser Uferbereich als 1. Bauabschnitt des Kettelerufers festgelegt und in eine Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung umgesetzt. Dabei wurden die vorgegebenen Ziele der Ufergestaltung weiter vertieft und ausgearbeitet.

Es wurde festgestellt, dass eine nachhaltige funktionale und gestalterische Verbesserung dieses Bereiches im Hinblick auf seine

  • Zugänglichkeit (barrierefreier Zugang über eine Rampe),
  • seine Aufenthaltsqualitäten (Flächenausweitung und neue Möblierung),
  • die Wegeführung für Radfahrer und Fußgänger,
  • die Öffnung der Ems zur westlichen Innenstadtseite durch eine großzügige, offene Treppenanlage
  • und die Anbindung der neu entstandenen Außengastronomie in der Emsgalerie

nur über eine grundlegende Neugestaltung zu erreichen ist.

Neben den Vorgaben einer Säuberung und eines „Aufräumens“ war auch eine Verbreiterung des nutzbaren Uferbereiches erforderlich. Zudem waren weite Teile der Hochwasserschutzmauer neu zu planen, insbesondere auch, um einen barrierefreien Zugang durch eine behindertengerechte Rampe zu integrieren.

Die Entwurfsplanung konnte im Jahr 2016 so weit fertiggestellt werden, dass auf Grundlage eines entsprechenden Beschlusses des zuständigen Bauausschusses ein Antrag auf Förderung der Maßnahme durch die Städtebauförderung gestellt werden konnte.

Bewilligung

Der Bescheid der Bezirksregierung Münster auf Zuwendung des Landes aus Landes- und Bundesmitteln (Förderrichtlinie Stadterneuerung 2008), Aktive Stadt- und Ortsteilzentren, Aufwertung der Innenstadt Rheine, für die Maßnahme zur „Neugestaltung des Kettelerufers“ erfolgte am 10.08.2017 und beinhaltete rund 1,65 Mio. € zuwendungsfähige Kosten für eine Umsetzung.

Genehmigungsplanung

Nachdem nun die Inhalte und die Finanzierung der Maßnahme grundsätzlich sichergestellt waren, konnte die Genehmigungsplanung erarbeitet werden. Aufgrund der Tatsache, dass mit der Ems eine Bundeswasserstraße betroffen war und die Planung in den Uferbereich hineinragte, wurde ein Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung Münster als Obere Wasserbehörde erforderlich. Neben den geplanten Baumaßnahmen als solche waren insbesondere die Vorgaben des (Hoch-)Wasserschutzes (Auswirkungen auf die hydraulischen Verhältnisse und das Hochwasser) und des Naturschutzes (die Ems als Naturschutz- und FFH-Gebiet, eingehende Baumuntersuchungen/Artenschutz und externe Ausgleichsmaßnahmen) zu prüfen und abzustimmen. Entsprechende Gutachten und Nachweise waren durch externe Fachbüros zu erarbeiten und von der Stadt zu betreuen.

Das Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung bündelte alle mit der Planung zusammenhängenden Fragestellungen und Beteiligungserfordernisse, erforderte aber aufgrund der damit zusammenhängenden Fristen und Verfahrensschritte auch entsprechende Zeit.

Im August 2018 konnte schließlich nach Abstimmung aller Vorgaben ein Genehmigungsantrag gestellt werden. Die darauffolgenden Verfahrensschritte beinhalteten neben einer Beteiligung der betroffenen Behörden und Anlieger insbesondere eine detaillierte Abstimmung mit dem Kreis Steinfurt als Untere Naturschutzbehörde, in deren Zusammenhang u. a. auch die Bedenken des Naturschutzbeirates durch entsprechende Beschlüsse des Umweltausschusses Kreis und des Kreisausschusses ausgeräumt werden konnten. Eine Befreiung von den Vorgaben im Sinne des Naturschutzes erfolgte schließlich im Frühjahr 2019.

Die Plangenehmigung der Bezirksregierung Münster als Obere Wasserbehörde konnte dann am 19.07.2019, also fast ein Jahr nach Antragstellung, in Empfang genommen werden.

Mit Vorlage der Genehmigung wurde das Projekt nach nahezu drei Jahren Laufzeit im Sommer 2019 von der Stadtplanung zur Umsetzung an die Technischen Betriebe Rheine (TBR) übergeben. Es war ein langer, umfangreicher Prozess, aber die Komplexität der Fragestellungen, die Menge an zu beteiligenden Akteuren und das für die Ufergestaltung und die gesamte Innenstadtentwicklung äußerst positive Ergebnis haben dieses Vorgehen mehr als gerechtfertigt.

Baumaßnahme

Martin Forstmann, der als zuständiger Fachbereichsleiter der Technischen Betreibe die Umsetzung der Planungsschritte am Kettelerufer übernahm, beschreibt seine damaligen Empfindungen folgendermaßen: „An der Ems zu arbeiten ist für mich persönlich nicht nur eine spannende Aufgabe, sondern auch ein Rückblick in die Vergangenheit. In den 80er Jahren durfte ich an gleicher Stelle, damals in der Funktion als Bauaufseher, den Bau der damaligen Hochwasserschutzmauer mit der Bastion begleiten. Damals wurde ein umfangreicher Rückbau der vorhandenen Einbauten vorgenommen. Dabei wurde die alte Kaimauer zur Ems freigelegt. Es handelte sich um riesige Sandsteinquader die ein Mauerwerk bildeten. In einem Quader sah man noch einen großen Eisenring, an denen die Emspünten, alte Lastkähne mit plattem Boden, festmachten. Diese Quader wurden später in das Pflaster der Uferpromenade eingelassen, um den Verlauf der Kaimauer optisch anzuzeigen. Leider erwiesen sich die Sandsteinblöcke nicht sehr witterungsbeständig und es kam an den Rändern oft zu Abplatzungen. Daher wurden sie auch nicht mehr im neuen Abschnitt eingebaut.“

In enger Abstimmung mit dem Ing. Büro FSWLA aus Düsseldorf wurde daher mit all diesen Besonderheiten ausgeschrieben. Selbst für ein mögliches Hochwasser während der Baumaßnahme war man gerüstet. Die Ausschreibung der Bauarbeiten erfolgte dann im Januar 2020. Aufgrund der anspruchsvollen Arbeiten, die an dieser Stelle erforderlich waren, gab es daher auch nur wenige Bieter. Anfang März konnte die Firma Benning aus Münster beauftragt werden, die ihre Arbeiten dann Ende April 2020 begannen. Vorher waren bereits Bestellungen für die wichtigsten Baumaterialien erfolgt. 

Zu Anfang musste eine Zufahrt zum Kettelerufer geschaffen werden, indem die alte Hochwasserschutzmauer geschliffen wurde. Gleichzeitig wurde auch die Bastion mit entfernt. Lediglich die Fundamente zur Ems lassen ihre Ausmaße noch erkennen. In einem nächsten Schritt wurden dann die Bohrungen für die Stahlträger eingebracht. Gleichzeitig begann man im südlichen Bereich mit den Fundamentarbeiten der neuen Hochwasserschutzmauer.

In den Sommermonaten dann konnte der Betonkern der neuen Hochwasserschutzmaurer eingeschalt, die sehr umfangreiche Stahlbewehrung eingebracht und anschließend betoniert werden. Zudem wurde auch die Hochwassermauer gestalterisch aufgewertet, indem die bisherige Betonoptik optisch mit Ibbenbürener Sandsteinen verblendet wurde.

Ein wichtiger Aspekt der Neugestaltung der Uferanlage war natürlich auch der Schutz der Radfahrer. Entsprechend der aktuellen Vorschriften musste das Schutzgeländer zur Ems ersetzt und um 30cm erhöht werden. 

Zwischenzeitlich begann man auch, die unter der Ludgeribrücke sehr dicke Graffitischicht an den Wänden zu entfernen und eine neue Boulderanlage mit vier Schwierigkeitsstufen dort zu errichten. Ein neuer Fallschutzbelag sorgt unter der Kletterwand für die nötige Sicherheit. Die neu erstellte Treppenanlage vor der Brücke kann zu Veranstaltungen als Atrium genutzt werden. dafür wurde eigens eine umfangreiche Stromversorgung für zukünftige Veranstaltungen mitverlegt.

Anders als anfänglich geplant, konnte die Firma Benning die beauftragten Bauarbeiten deutlich vor dem vereinbarten Termin fertig stellen; die Bauabnahme erfolgte daher bereits am 10. Dezember 2020.  

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