FairTrade: Soziale und ökologische Transparenz bei Lieferketten

„Lieferkette? Was ist das denn?“ Noch vor 2 Monaten wurde den Planern der Aktionswoche für ein deutsches Lieferkettengestz,  das die unternehmerische Sorgfaltspflicht für die ArbeiterInnen und die Umwelt weltweit einfordert, oft diese Frage gestellt. Durch die Pandemie hat sich das Wissen, wie verknüpft die wirtschaftlichen Aktivitäten global sind, zu einem Allgemeinwissen gewandelt.

„In Rheine haben sich die Aktion Humane Welt, die Arbeitsgemeinschaft Solidarische Welt, der Weltladen , die Botschafterin für Brot für die Welt und zahlreiche Mitglieder der katholischen und evangelischen Kirchen der Initiative für die Forderung nach einem Lieferkettengesetz durch die Bundesregierung angeschlossen,“ erklärt Michael Remke-Smeenk als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Solidarische Welt. 82 Organisationen wie der DGB, die evangelischen Landeskirchen , Brot für die Welt  ,katholische Bistümer und Organisationen wie Misereor oder KAB fordern von der Bundesregierung ein Gesetz, das die deutschen Unternehmen weltweit zur Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Einen Umwelt verpflichtet.

„Ausgangspunkt für diese Initiative war der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013 . Über 1300 Arbeiterinnen starben, über 2000 wurden schwer verletzt. Die Näherinnen hatten hauptsächlich Mode für den Export produziert, unter anderem für europäische Marken wie Primark, Benetton, Mango, C&A, Adler Modemärkte und Kik. Die Arbeiterinnen mussten die Fabrik betreten, obwohl Risse im Mauerwerk sichtbar waren. Leider ist das keine Ausnahme, sondern in vielen Bereichen der Textilindustrie immer noch der Fall,“ erklärt Pfarrerin em Kerstin Hemker, Botschafterin für Brot für die Welt. „ Gut ist, dass inzwischen große deutsche Konzerne wie Tchibo, Daimler oder KiK verbindliche Regelungen begrüßen.“

Da die vielen Aktionen vom 21.-25-April 2020 in Rheine wie eine Informationsveranstaltung mit Eva-Maria  Reinwald vom renommierten Institut Südwind, Stände mit Unterschriftenlisten auf den Wochenmärkten, ein „Engagiertes Nachtgebet für Menschenrechte“ zur Erinnerung an die Opfer des Einsturzes  der Rana Plaza Fabrik  in der Basilika und eine Informationsausstellung in den kaufmännischen Schulen leider abgesagt werden mussten,  verweisen die Rheiner Initiatoren auf die Online Petition (https://lieferkettengesetz.de/mitmachen/), die inzwischen von fast 160 000 Menschen unterzeichnet wurde.

„Wir hoffen im Herbst im Rahmen der Fairen Woche einige geplante Veranstaltungen nachholen zu können,“ sagt die Promotorin des Eine Welt Netzes NRW Beate Steffens. „Wer weitere Informationen sucht, kann sich in dieser Woche auf der Homepage der Christlichen Initiative Romero in Münster gut informieren.“

Denn die Corona-Krise hat ein Gesetz zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht nicht überflüssig gemacht. In Europa erhalten viele Menschen in Krisenzeiten staatliche Unterstützung – in vielen Ländern des Globalen Südens gibt es oft keinerlei soziale Absicherung. Textilarbeiterinnen oder Kakaobauern stürzen ins Bodenlose . Die Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, in dieser Krise zusammenzurücken und solidarisch miteinander zu sein – und dabei den Blick auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu richten. Für die Engagierten in Rheine  ist klar: „ Diese globale Krise können wir nur gemeinsam meistern. Dazu gehört auch, dass Unternehmen entlang ihrer gesamten Lieferkette in angemessener Weise Verantwortung übernehmen müssen – auch für Menschen im globalen Süden. Die Forderung nach einem Lieferkettengesetz ist aktueller denn je.“

(C) Beate Steffens und Kerstin Hemker